Die Hugenotten in Frankreich. 55
Herr von Sevre begab ſich auf ſein Stammſchloß, das ſüdöſtlich von der Stadt Nantes an dem Flüßchen Sevre lag. Paul Clignet lebte nun abwechſelnd auf dieſem Schloſſe und in Renaud's Hauſe zu la Rochelle. Der wackere zwölfjährige Knabe war beiden Familien ſo lieb ge⸗ worden, daß keine derſelben ihre Anſprüche auf ihn auf⸗ geben wollte. Er aber gefiel ſich wohl am beſten auf dem Schloſſe des Hauptmannes, denn das Leben und Treiben in der freien Natur behagte ihm beſſer, als das in der feſten und engen Stadt. Dort konnte er den Edelmann ſchon auf der Jagd begleiten, und der Fluß und die zahlreichen Fiſchteiche boten ihm Gelegenheit genug, jenes Lieblingsge⸗ geſchäft wieder zu betreiben, das er bei dem Fiſcher Philipp an der Maas gelernt hatte. Ueberdieß hatte Herr von Sevre einen Sohn, der nur zwei Jahre jünger war als Paul, und mit dem er eine wahrhaft brüderliche Freund⸗ ſchaft geſchloſſen hatte.
So vergiengen zwei ruhige Jahre. Pauls Leben wäre in jeder Weiſe das angenehmſte geweſen, hätte nicht der Gedanke an ſeine Eltern und die Sehnſucht nach denſelben ſeinen Frieden getrübt.
Die Lage der Proteſtanten in Frankreich war während dieſer beiden Jahre in jeder Weiſe befriedigend. König Karl M. legte gnädige und freundliche Geſinnungen gegen ſie an den Tag, und ſchien aufrichtig eine völlige Ausſöh⸗ nung zu wünſchen, ja er verlobte ſeine Schweſter Marga⸗ retha mit dem Oberhaupte der Proteſtanten, dem jungen


