Druckschrift 
Glaubenstreue oder die Wallonen in der Pfalz : Erzählung / von Friedrich Blaul
Entstehung
Einzelbild herunterladen

52 Fünftes Kapitel. Fünftes Kapitel. Die Hugenotten in Frankreich.

Sie verführen mein Volk und ſagen: Frieden! ſo doch kein Friede iſt. Ezech. 13, 10.

Der junge reiche Kaufmann Renaud von Rochelle, der

auf früheren Reiſen öfters nach Lüttich gekommen war, hatte dort die Tochter eines Handelsfreundes kennen gelernt und ſie gerade an dem Tage als ſeine Gattin heimgeführt, an welchem Paul den Händen des Mönches überliefert und in ein Kloſter gebracht werden ſollte. Mit den beiden jungen Eheleuten war der Knabe die Maas hinab bis nach Rotter⸗ dam gefahren, wo Renand's Schiff lag, das ihn mit Weib und Gütern nach der Heimath bringen ſollte. Wohl war der Knabe tief betrübt geweſen, als er einſah, wie er ſich immer weiter von ſeinen lieben Eltern entferne, aber was hätte er thun ſollen? Allein konnte er ja nicht in dem Va⸗ terlande bleiben, das unter der eiſernen Ruthe des Herzogs Alba ſich krümmte, und den Bekennern ſeines Glaubens gar keine Sicherheit mehr bot. Schon um ſein Leben zu retten, mußte er mit ſeinen Beſchützern das Schiff beſteigen, das ſie nach der fernen Küſte Frankreichs bringen ſollte.

Zu dem bezeigten ſich Renaud und ſeine junge Gattin ſo

freundlich gegen den verlaſſenen Jungen, tröſteten und er⸗ muthigten ihn ſo liebreich, daß er am Ende froh war, in ſolche Hände gerathen zu ſein.