Die Verſuchung. 49
Der Fiſcher eilte herzu, verbeugte ſich tief vor dem Or⸗ densmanne, und fragte:„Ehrwürdiger Vater, was wollt Ihr mit dem Knaben?“
„Ins Kloſter will ich ihn führen, damit er einmal unterrichtet und aus ſeinem verdammlichen Irrthume he⸗ rausgeriſſen werde.“
„O laſſet ihn bei mir,“ bat der Fiſcher, und nahm Paul bei der Hand.„Er iſt ein folgſamer Junge und wird mit der Zeit ſchon einſehen, daß er im Irrthum war.“
„Mit der Zeit?“ rief der Mönch.„Höre du haſt ihn ſchon allzulange bei dir verheimlicht und nichts für ſein Seelenheil gethan. Du haſt zugleich ſchlecht für deine Kirche geſorgt. Was meinſt du, was dir geſchehen würde, wenn ich dein Vergehen anzeigte? Wenn du nicht auch in die Strafe verfallen willſt, die auf der Ketzerei ſteht, ſo laß ihn augenblicklich los. Ich muß wiſſen, was mit ihm zu thun iſt.“
Der Fiſcher, welcher wohl wußte, wie theuer ihn ſelbſt jeder Widerſpruch zu ſtehen kommen würde, ließ den Kna⸗ ben los. Paul aber bebte, als der Mönch wieder ſeine Hand ergriff. Er warf einen ängſtlichen Blick umher, und ſagte raſch:„Alſo ihr könnt und wollt mich auch nicht ſchützen, Vater Philipp? Gott ſei mir gnädig!“ Und im Nu hatte er ſeine Hand aus der des Ordensgeiſtlichen ge⸗ riſſen, ſprang wie ein flüchtiges Reh eine kurze Strecke am Blaul, Glaubenstreue.(2. A.) 4


