Die Verſuchung. 45
auf, und ſuchte ſich alle die Erzählungen aus der heiligen Schrift, alles, was er in Kirche und Schule und beſonders von ſeinen theuren Eltern und der lieben Großmutter Cor⸗ nelia gehört oder ſelbſt ſchon geleſen hatte, in das S niß zurückzurufen.
Da unter freiem Himmel oder in der Stille des Wal⸗ des weinte er über ſein hartes Geſchick, ſo lange ſchon von ſeinen Eltern getrennt zu ſein; da bat er Gott mit heißem Flehen, er möge ihn doch wieder zu ſeinen Lieben führen. Nie vergaß er dabei, den Herrn um Kraft und Beiſtand zu bitten, damit er nie den Glauben verleugnen möge, um deſſen willen Vater und Mutter und viel tauſend Menſchen das theure Vaterland verlaſſen und alle zeitlichen Güter und Vortheile aufgegeben.
Bei ſolcher Geſinnung des durch Unglück frühzeitig heimgeſuchten, aber dadurch auch innerlich gekräftigten Kna⸗ ben war es kein Wunder, daß alle Verſuche der Fiſcherin, ihn zu ihrem Glauben herüber zu ziehen, erfolglos blieben. Dennoch ließ ſie nicht von denſelben ab, ja ſie hatte ſich in der letzten Zeit ſogar einen kräftigeren Beiſtand zu ihrem, wie ſie meinte, Gott wohlgefälligen Bekehrungswerke geſucht. Wir werden bald ſehen, wer derſelbe war.
Am Tage vor Mariä Himmelfahrt machte Mutter Anna wieder den Verſuch, Paul zu bereden, am folgenden Tage mit zur großen Prozeſſion zu gehen.
Paul ſchüttelte den Kopf und erwiederte:„Nein, Mutter Anna, zur Meſſe kann ich nicht gehen und mit der Prozeſſion


