Das verlorene Kind.
nun um ſich, als ob er eben aus einem tiefen Traum er⸗ wache. Dieſe Gegend hatte er noch nicht geſehen; das war nicht die Pforte, durch welche er mit ſeinen Eltern und Be⸗ kannten in die unterirdiſche Wohnung gezogen war. Hoch oben ſtand er auf einer hohen Felswand, die mit Geſträuch und Bäumen bekleidet war. Unter ſich hörte er ein Waſſer rauſchen, und etwas weiter ſah er in die Fluthen eines kla⸗ ren Fluſſes, in dem ſich der freundliche blaue Frühlings⸗ himmel ſpiegelte. In weiterer Ferne erhoben ſich die Thürme einer Stadt. Die Stadt war Lüttich, der Fluß die Maas. Staunend betrachtete Paul die liebliche Ausſicht. O wie ganz anders war es da, als vorhin da unten im Bauch der Erde!
Aber alle dieſe Schönheiten und alle Freude darüber verſchwanden für Paul, als er ſeiner Eltern gedachte. Er ſah ſich ja ganz allein; weit und breit war kein Menſch. Wie weit mochte er durch ſeine unterirdiſche Wanderung von den Seinigen ſich entfernt haben? Dieſer Gedanke überfiel den armen Knaben mit aller ſeiner Qual. Aber quälender noch war ſein Durſt. Zunge und Gaumen waren ihm wie vertrocknet. Doch da unten war ja ein Fluß, er hörte ja das Rauſchen des Waſſers. Da hinab mußte er, um ſeinen brennenden Durſt zu ſtillen. Er eilte vorwärts durch das Gebüſch, das die jäh abſchüſſige Felswand vor ſeinen Blicken verhüllte. Er ſah und hörte kaum, ſo fieberiſch brannte ſein Kopf. Zu raſch ſtürmte er deßhalb voran, und mit einem


