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Das verlorene Kind. 29
Lauſchen gelangte man in den jüngſt zur Kirche geweihten Raum. Auch hier war keine Spur von dem Knaben. Nur das ferne Echo gab den Namen Paul zurück. Da ſchwand die letzte Kraft der auf's äußerſte geängſteten Mutter. Ihre Sinne fingen an ſich zu verwirren, und mit dem Jammer⸗ ruf:„Gott, mein Gott! gib mir mein Kind wieder!“ brach ſie bewußtlos zuſammen. Sie mußte aus der Höhle getra⸗ gen werden.
Wehklagend empfingen ſie die draußen ängſtlich Harren⸗ den. Die Nachricht, daß Paul immer noch nicht aufgefun⸗ den ſei, vergrößerte die Beſtürzung und den Jammer der Verbannten. Nur Mutter Cornelia mit ihrem ſtarken Geiſte ſprach noch Worte der Beruhigung, obgleich auch ihr Herz unausſprechlich betrübt war. Die kleine Marie dagegen war ganz aufgelöst in Thränen und warf ſich jammernd neben der bleichen, ohnmächtigen Pflegemutter nieder, mit deren Wiederbelebung ſich die Frauen emſig beſchäftigten.
Clignet war in der Petershöhle zurückgeblieben, um ſeine Nachforſchungen fortzuſetzen. Am Brunnen warf er ſich auf die Kniee nieder und rief laut:„Herr! ſuche uns nicht zu ſchwer heim! prüfe uns nicht zu hart! ſondern laß die Verſuchung ſo ein Ende gewinnen, daß wir's tragen können.“
Mittlerweile hatte ſich der Steinhauer beſonnen, welchen Weg er nun einſchlagen ſolle.
Die Suchenden ſetzten nun in möglichſter Eile, aber doch mit der nöthigen Vorſicht, ihre Nachforſchungen fort.


