28 Drittes Kapitel.
„Eliſabeth,“ ſagte der Pfarrer,„es iſt in Gottes Hand. Beruhige dich, Paul wird ja wohl nicht verloren ſein.“ Er ſprach dies ſo ruhig als möglich, und doch war ſein eigenes Herz voll unausſprechlicher Angſt, die er ver⸗ gebens niederzukämpfen ſuchte.
„Gott! mein Gott!“ rief die verzweifelnde Mutter, „wo mag er ſein? Denke dir den armen Knaben in dieſen dunkeln, ſchauerlichen Gängen verirrt; denke dir ſeine Angſt in dieſem unermeßlichen Grabe.“
„Dieſer Mann hier,“ verſetzte Clignet auf den Stein⸗ hauer deutend,„wird uns behilflich ſein, ihn zu ſuchen. Kehre du zurück, liebe Eliſabeth, zu Marien und der Groß⸗ mutter, wir wollen die Gänge durchſuchen.“
„Nein, nein!“ erwiederte ſie raſch und beſtimmt,„ich muß ihn finden.“
„Sollte der Knabe nicht etwa nach der Halle des Brun⸗ nens gegangen ſein, wo es ihm ſo wohl gefiel?“ bemerkte einer der nachgefolgten Männer.
„Ja, fort, fort nach dem Brunnen!“ rief die Pfarrerin. Sie wollte forteilen, aber ihr Mann hielt ſie zurück, bis die Männer ſich mit brennenden Kienfackeln und Lichtern ver⸗ ſehen hatten. Unterdeſſen rief er nach allen Seiten hin den Namen des Knaben, jedoch vergebens. Hierauf eilten die Suchenden nach der Halle des Brunnens, denn daß ſie in die verſchiedenen Seitengänge ſich vertheilten, ging nicht an. Der Steinhauer warnte ernſtlich davor, weil die Gefahr des Verirrens zu groß wäre. Unter fortgeſetztem Rufen und


