Das verlorene Kind. 27
ſie aus der Höhle ſeien. Die ängſtliche Mutter lief umher und fragte allenthalben, ob der Knabe nicht da ſei, ob ihn niemand geſehen habe. Weder ſie noch der ſuchende Vater konnte ihn finden oder eine genügende Antwort erhalten. Eliſabeths Angſt wuchs von Augenblick zu Augenblick. Auch den Vater ergriff die Angſt immer mehr, und in die ganze Schaar kam Verwirrung. Clignet eilte an den Eingang der Höhle, und ſeine Frau folgte ihm.„Paul!“ rief er laut in die Höhle hinein, aber das lauſchende Ohr hörte nur einen dumpfen Widerhall des ausgerufenen Namens. „Paul!“ ſchrie auch die Mutter in der höchſten Angſt. Sie erhielt eben ſo wenig eine Antwort. Mit einem lauten Jammerſchrei und dem Ausrufe:„Mein Kind! mein Kind!“ ſtürzte ſie in die Höhle. Der Vater, dem kaum weni⸗ ger ängſtlich zu Muthe war, wollte ſie zurückhalten, aber ſie riß ſich los, und eilte hinein in das tiefe, nächtliche Dun⸗ kel. Clignet rief nach Licht, folgte aber ſeinem Weibe ohne Verzug. Der nächſte hinter ihm war der Steinhauer. „Haltet ein!“ rief dieſer:„es gibt ein Unglück, wenn ihr den Weg verfehlet.“ Aber Eliſabeth hörte nicht auf ihn. Trotz der undurchdringlichen Finſterniß flog ſie ordentlich mit vorgehaltenen Händen dahin und rief unaufhörlich den Na⸗ men ihres Kindes in herzzerreißenden Tönen. Erſt an der Lagerſtelle, wo noch das Feuer brannte, holten Clignet und der Steinhauer ſie ein. Da ſtand ſie und ſtarrte umher, aber kein Paul war zu entdecken.„Clignet! Clignet!“ rief ſie,„wo iſt unſer Kind?“


