14 Erſtes Kapitel.
und nun theilte ſich die auf dem Platze harrende Menge in einzelne Züge. Clignet wandte ſich mit den Seinigen nach Oſten und hatte bald das Thor erreicht. War vorher der Jammer ſchon groß, ſo erneuerte er ſich um ſo ſtärker, da nun die einen wieder in die Stadt zurückkehren, die andern aber auf ihrer Pilgerfahrt ins ungewiſſe weiter ziehen muß⸗ ten. Die blinde Cornelia, zu der die beiden Kinder auf den Wagen gehoben worden waren, hörte nur die lauten Klagen, die um ſie her erſchollen.„Kinder!“ rief ſie laut herab: „weinet nicht, unſer Weg geht nur aus der einen Heimat in die andere. Selbſt die, welche hier bleiben, müſſen bald von einander ſcheiden. Wohl denen, die ſich droben im Va⸗ terlande wiederſehen!“
Die Stimme der Greiſin hatte eine eigenthümliche Wir⸗ kung hervorgebracht. Clignets ehrwürdige Mutter war in ganz Antwerpen bekannt und die Glieder der Gemeinde, welcher ihr Sohn vorgeſtanden, hatten eine beſondere Ehr— furcht vor ihr. War ſie ihnen doch immer wie eine der hei— ligen Frauen aus der Schrift erſchienen. Ihre Worte ermu⸗ thigten darum jetzt wieder faſt die ganze Schaar. Selbſt Clignet fühlte ſich durch dieſe kurze Anſprache ſeiner lieben Mutter gehoben. Denn außer den Worten der Schrift hatte nichts ſolche Macht über ihn, als das Wort ſeiner treuen, glaubensſtarken Mutter. Er ging nun umher und brachte Rath und Troſt, wo es noth that. Er ordnete den Zug, er redete jedem einzelnen liebreich mit einer Glaubens⸗ freudigkeit zu, die ſich allmälig allen mittheilte.
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