12 Erſtes Kapitel.
teſtantiſchen Prediger die Stadt verlaſſen mußten. Aber ſie ſollten nicht allein ziehen. Hunderte, ja Tauſende woll⸗ ten jetzt ſchon ihr hartes Schickſal theilen. Sie hatten ſich ſo ſchnell als möglich fertig gemacht, der Stadt den Rücken zu kehren und ein anderes Land aufzuſuchen, wo ſie Gott in ihrer Weiſe ruhig und ungeſtört verehren dürften. In allen Straßen drängte ſich die Volksmenge. Da ſah man nichts als Thränen und Händeringen, da hörte man nichts als Jammern und Wehklagen. Wahrhaft herzzerreißend war es, zu ſehen, wie hier Eltern und Kinder, dort Ge— ſchwiſter und Freunde weinend von einander Abſchied nah— men. Um das Liebſte, den theuren verfolgten Glauben, zu retten, mußten die heiligſten Bande zerriſſen, die glänzend⸗ ſten Verhältniſſe aufgegeben werden.
Gegen zehn Uhr öffnete ſich das Haus, welches der Pfarrer Clignet bisher bewohnt hatte. Vier Männer tru⸗ gen die Großmutter Cornelia auf ihrem Lehnſtuhle heraus. Ihr folgte Eliſabeth, die beiden Kinder an der Hand. Zu⸗ letzt kam der Geiſtliche ſelbſt. Die Kinder weinten, aber die Mutter erſchien gefaßter als geſtern, obwohl ſie ihre Thränen auch nicht zurückhalten konnte. Stieg ja ſelbſt dem feſten, glaubensvollen und muthigen Vater eine Thräne in das Auge, als er die Schwelle des Hauſes verließ.„Der Herr behüte unſern Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“ rief er, und die Großmutter ſagte ihr lautes „Amen“ dazu, aber ohne Thräne. Hunderte ſeiner Ge⸗ meindeglieder und Glaubensgenoſſen ſtanden weinend umher,.


