Der Auszug. 5
ein hübſcher Knabe von etwa neun Jahren und ein bild⸗ ſchönes Mädchen, das kaum ein Jahr jünger ſein mochte. Der Knabe war Clignet's Sohn, mit Namen Paul; Marie, das Mädchen, war ein angenommenes Kind, eine Waiſe, deren Mutter weitläufig mit Clignet's Frau verwandt geweſen. Die Hauptperſon in der Familie war aber eine alte Matrone, die fünfundſiebenzigjährige Mutter des Predigers. Sie ſaß in einem gepolſterten Lehnſtuhle, hatte die Hände gefaltet, das ſchöne, ehrwürdige Greiſen⸗ haupt vorwärts geneigt und die Augen geſchloſſen. Denn das Licht ihrer Augen war dem Erlöſchen nahe, und die Tageshelle drang nur noch als ein gedämpfter Schimmer hinein. Sie konnte ſelbſt die Glieder der Familie nicht mehr erkennen, und unterſchied ſie nur an den Stimmen und Tritten oder durch Betaſten mit der Hand.
Um die Großmutter Cornelia bewegte ſich gleichſam die ganze Umgebung. Man konnte nicht verkennen, daß ſie mit einer liebevollen Aufmerkſamkeit behandelt wurde, die an Verehrung grenzte. Paul ſtand an der Armlehne ihres Stuhles, und ſchmiegte ſich freundlich an ſie, Marie kniete vor ſie hin, legte ein aufgeſchlagenes Pſalmbuch auf ihre Kniee, und las ihr einen Pſalmen vor, welchen Alle mit der größten Andacht anhörten. Hierauf faltete Clig⸗ net die Hände und begann das Morgengebet, während deſſen nur die Großmutter ſitzen blieb, weil ſie an beiden Beinen faſt gelähmt war, und gewöhnlich mit ihrem Rollſtuhle von einer Stelle zur andern geſchoben wurde.— Clignet betete


