Druckschrift 
Glaubenstreue oder die Wallonen in der Pfalz : Erzählung / von Friedrich Blaul
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4 Erſtes Kapitel.

Es hatte ſich ja das Gericht ſchon verbreitet, der finſter⸗

ſtrenge König habe den eiſernen Herzog von Alba auser⸗

ſehen, um mit einem ſpaniſchen Heere nach den Niederlanden

zu ziehen und dort der Sache der Reformation mit einem Schlage ein Ende zu machen. Der Ruf, in welchem der Herzog von Alba und die ſpaniſchen Soldaten ſtanden, ließ keinen Zweifel über das, was man zu erwarten habe. Die große und reiche Stadt Antwerpen, die ſich längſt auch für die Reformation erklärt hatte, aber leider lange Zeit der Schauplatz großer und greulicher Verwirrungen geweſen war, fürchtete jetzt am meiſten die ſchon ziemlich gewiſſe Ankunft des grauſamen Herzogs. Der Rath ſchickte Ge⸗ ſandte an die Herzogin von Parma nach Brüſſel, um Un⸗ terhandlungen mit ihr anzuknüpfen. Die Regentin antwor⸗

tete, ſie könne ſich auf nichts einlaſſen, ſo lange die Stadt U. nicht eine Beſatzung eingenommen habe. 3 So ſtanden die Dinge, als am frühen Morgen des

9. Aprils der reformirte Prediger Clignet zu Antwerpen mit ſeiner Familie zur Morgen⸗Andacht in einem reinlichen, 3

aber einfach möblirten Zimmer verſammelt war. Aus fünf Perſonen beſtand die kleine Verſammlung. Clignet ſelbſt war ein Mann von etwa vierzig Jahren; in ſeinen Zügen prägte ſich ein milder Ernſt und zugleich eine eigenthümliche Feſtigkeit aus. Seine Gattin, eine Frau in den Dreißigen,* war von zarter Geſtalt, und auf ihrem ſchönen Angeſichte ſtanden die zwei kindlichen Tugenden Sanftmuth und Freund⸗ lichkeit geſchrieben. Ihr zur Seite ſtanden zwei Kinder,