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man ihr Junges geraubt hat, ſtieß ſodann ein Geheul aus, wel⸗ ches gellend uber den ganzen Platz hinweg tönte, ſchwang den glimmenden Brand um ihr Haupt, bis er in lichten Flammen auf⸗ loderte, und rannte dann auf den Mittelpunkt des Platzes zu, einer Furie ähnlich, und die Luft mit einem Gekreiſch erfullend, das die Menge mit kaum minder wildem und ſchauerlichem Ge⸗ heul beantwortete. Als das Volk zu beiden Seiten zurück wich, gewann Editha die Ausſicht auf den inneren Raum des Platzes, und ſie konnte deutlich den Gegenſtand erkennen, welcher Aller Auf⸗ merkſamkeit am lebhafteſten auf ſich zog.
Sie ſah zwei unglückliche Gefangene. Man hatte ſie an zwei ſtarke Pfähle in der Nähe des Berathungshauſes angekettet, ihre Arme 3 hoch über das Haupt hinauf gezogen, und ihre Geſtalten mit einem Haufen Reisholz, Prairieheu und anderen ieicht brennbaren Stof⸗ fen umgeben. Es waren Weiße, und etwa zwölf oder dreizehn Wilde zeigten ſich eben damit beſchäftigt, ihnen die Kleider vom Leibe zu reißen, während Andere noch immer neuen Brennſtoff herbei ſchleppten, und um die Gefangenen aufhäuften. Einer jener gefeſſelten Männer war, wie Editha, die ſich kaum hundert Schritte von dem traurigen Schauſpiele befand, deutlich ſehen konnte, Ralph Stackpole, der bekannte Pferdedieb; und in dem Andern erkannte ſie mit einem Schrecken, der ihr Blut zu Eis erſtarrte, ihren Bru⸗ der Roland. Ja, es war Roland, ſie täuſchte ſich nicht; ſie ſah ihn an den Pfahl gebunden und umringt von gefühlloſen, jauchzen⸗ den Geſchöpfen, welche mit Ungeduld den Anfang des hölliſchen Schauſpiels erwarteten, während das Weib des von Nathan er⸗ ſchlagenen Häuptlings an dem Holzhaufen kniete, und ſich alle mögliche Mühe gab, ihn mit ihrem flackernden Brande in Flam⸗ men zu ſetzen.
Der laute, jammernde Schrei, welchen Editha bei dieſem ent⸗ ſetzlichen Anblicke ausſtieß, hätte Herzen von Stein rühren müſſen. Aber Indianer, welche einmal in der Wonne begriffen ſind, einen Gefangenen zu martern, haben nicht einmal ein Herz von Stein, ſondern gar keines. In ſolchen Augenblicken kennt der rothe Mann kein Mitleid und kein Erbarmen, obwohl zu anderen Zeiten ein Indianer eben ſo gefühlvoll, eben ſo barmherzig und wohlwollend
ſein kann, wie ein Blaßgeſicht. Alle beſſeren Gefühle gehen unter in dem Rauſche der Leidenſchaft, und kein anderer Trieb beſeelt die indianiſchen Krieger und Weiber, als eine unerbittliche, wahr⸗ haft dämoniſche Grauſamkeit, welche ſich nur mit dem Blute und


