13 ger und dickköpfiger Mann von gemeinem und grobem Ausſehen; aber in ſeinem ganzen Weſen prägte ſich eine ſo prahleriſche und zugleich luſtige Selbſtgenügſamkeit aus, daß man eher über ihn la⸗ chen mußte als mißvergnügt ſein konnte. Sein Anzug beſtand aus einem Rocke von grobem, ſchmutzigen Leinenzeuche und einem Paar lederner Beinkleider, die mit dem Rocke, was Schmutz und Zer⸗ lumptheit betraf, füglich wetteifern konnten. Ein alter, runder, zer⸗ riſſener Pelzhut bedeckte ſein ſchwarzes ſtruppiges Haar, und gab ſeinem Geſichte einen um ſo lächerlicheren Ausdruck, als auf der einen Seite der Rand gänzlich fehlte, während auf der andern ein Bruch⸗ ſtück deſſelben über ſeine Wangen herunter hing. Er war mit einer Flinte, einem Meſſer und einem Tomahawk bewaffnet. Mit der Erſteren focht er wild und unachtſam in der Luft herum, und machte dabei ſo ſeltſame Geberden, Fratzen und Sprünge, daß die Zuhö⸗ rer ſeiner wunderbaren Erzählungen mehr als einmal in ein lautes Gelächter über ihn ausbrachen.
Als er den Commandanten der Station gewahr wurde, ſprang er mit einem einzigen, gewaltigen Satze aus dem ihn umgebenden Gedränge, und ſchuͤttelte dem Oberſt die Hand, ehe dieſer nur dar⸗ an dachte, ſie hinweg zu ziehen.
„Freue mich, Euch zu ſehen, Oberſt!“ rief er aus.„Auch Euch, Fremder! Was bringt Ihr Neues aus Virginien? Wißt, Freund, ich bin Ralph Stackpole, der Alligator vom Salzfluſſe!“
„Nun denn, ſo geht Euren Geſchäften nach, und laßt mich un⸗ geſchoren,“ erwiederte Capitain Forreſter, der ſich von der Vertrau⸗ lichkeit des Menſchen nicht beſonders erbaut fühlte.
„Ewiger Tod auf mich!“ ſchrie Ralph Stackpole,—„ich bin ein Gentleman und dürſte nach Streit! Mit Fauſt und Hand, mit Zahn, Nagel, Klaue oder Pfote, mit Meſſer, Flinte oder Toma⸗ hawkt᷑ ſtehe ich meinem Mann! Kikerikiki!“
Und während der unſinnige Thor dieſe Worte ſprach, hüpfte er mit beiden Füßen hoch auf und ſchlenkerte mit den Armen, wie ein Hahn, der ſeine Flügel vor dem beginnenden Kampfe ſchüttelt. Der Oberſt Bruce ſah ihn lächelnd an und fragte dann:„Sprecht doch, Ralph, wo habt Ihr die braune Stute hier geſtohlen?“ Augen⸗ blicklich verſchwand die Raufluſt, welche noch eben den brüllenden
Ralph beſeelt zu haben ſchien, und er ſah mit einer Beſtürzung um⸗
her, die ſogleich ein allgemeines lautes Gelächter veranlaßte. Doch faßte er ſich ſogleich, und erwiederte: „Geſtohlen? Ich habe keine braune Stute geſtohlen! Seht ſie


