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die mich in dieſem Werke geleitet haben, etwas von ihrer Strenge ablegen werde.
Wer koͤnnte mir widerſprechen, wenn ich behaupte, daß alle Mittel, wodurch man Rein⸗ heit der Sitten zu bewirken ſtrebt, gut und zu billigen ſind, auch wenn, um dieſen Zweck zu erreichen, das Laſter in den grellſten Farben dargeſtellt werden muß, um dadurch ſchwache Seelen vor Verſuchungen ſicher zu ſtellen.—
Eine ſolche Darſtellungsart, ſolche allego⸗ riſche Warnungen wirken, in Ermangelung guter Grundſätze, auf den Aberglaͤubiſchen und Un⸗ wiſſenden vielleicht am beſten.— Der Blut⸗ ſchaͤnder, der Betruͤger, der Meuchelmoͤrder, jeder Schuldige uͤberhaupt kann durchaus keinen Blick in meine Hoͤhlen, meine Mordgruben und Blutkammern thun, ohne die lebhafteſten Ge⸗ wiſſensbiſſe zu empfinden. Von bieſer erſten ſchauderhaften Empfindung zu einer frommen Reue iſt oft nur ein einziger Schritt, und der Verbrecher hat noch die Kraft ihn zu thun, um ſich dadurch in den Schooß des barmher⸗ zigen Gottes zu retten. So koͤnnen die koͤſt⸗ lichſten Fruͤchte der Buße unter dem Zauber⸗ ſtabe meiner magiſchen Tauſchungen hervorge⸗ hen, und dann waͤre es mir erlaubt zu hoffen, durch meine wunderbaren Gaukeleien eben ſo heilſame Betrachtungen veranlaßt zu haben,
als Religion und Rechtslehre nur immer ein⸗ floͤßen koͤnnen⸗


