waren die Gegenſaͤtze, welche jetzt Palmiren zu dem bezauberndſten Weſen machten, das je ein menſchliches Herz verfuͤhrt hatte.
Doch ſprach ſich die tiefſte Schwermuth in ihrem Geſicht aus, und die bleiche Farbe deſſelben verrieth nur zu deutlich die Unruhe, welche in ihrem Herzen herrſchte; ach ſie liebte, ſie betete ja noch immer ihren theuern Durvina an, und empfand nur zu ſpat, daß ein blinder Mißmuth ſie geleitet, ihr jede Ausſicht auf ein veſſeres Geſchick verſchloſſen habe; ſie beſeufzte daher heimlich das unuͤberlegte Geluͤbde, welchem ihre unuͤberwindliche Leidenſchaft ſtets feindlich entgegen trat. Wo ſie auch war, in der Zelle, auf der Gallerie, im Garten; uͤberall, auf allen ihren einſamen Spaziergängen, begleiteten ſie wehmuͤthige Erinnerungen, uͤberall flatterte das Bild des ſchoͤnen Oberſten, wie ein geliebter Schatten, um die ſtillen Oerter, die ſie bewohnte; ſie verſcheuchte ihn nicht, dieſen angebeteten, dieſen ungetreuen Schatten, und durch dieſe Tauſchung, die ſie leidenſchaftlich unterhielt, vermehrte ſich von Tag zu Tag ihre verliebte Traurigkeit. Einſam ſtehend in der Welt, war ihr der Troſt verſagt, ihre Thraͤnen in den Schooß einer Freundinn zu ethießen; jeder⸗ mann ſchien ihr verdaͤchtig, und ſie huͤtete ſich ſorgfältig, ſich ihren Schickſalsgenoſſen anzu⸗ vertrauen, welche vielleicht boshaft von ihren


