229
Lockungen des Laſters, ſucht der mit wolluͤſtigen Bildern beſchäftigte Geiſt das Unvermoͤgen der phyſiſchen Kraͤfte durch verbrecheriſche Begier⸗ den zu ergaͤnzen, indem er waͤhnt, daß die Schale des Vergnuͤgens nur dann am ſchmack⸗ hafteſten ſey, wenn ſie mit dem koſtbaren Blu⸗ te einer veizenden Schoͤnheit angefüllt iſt.— Die Geſchichte liefert uns nur zu viele ſchau⸗ derhafte Beiſpiele von dieſen moͤrderiſchen Er⸗ ſindungen, wo das Vergnuͤgen der Sinne nur durch den Anblick des Schmerzens ſeine groͤßte Höhe zu erreichen ſtrebt. Nero, der abſcheu⸗ liche Nero, Tiberius, Caligula beſonders, wel⸗ cher auf den ſchrecklichen Einfall kam, den ſchoͤ⸗ nen Kopf ſeiner Geliebten auf dem Fußboden hinrollen zu laſſeu, Dionyſius, der Aeltere, Ty⸗ rann von Syrakus, welcher die Wolluſt immer mit Nord verband,— ferner, jene beruͤhmte Fuͤrſtin von Sardes, welche mit Wuͤrfeln um das Leben ihrer Sklaven ſpielte, ſo gleichgul⸗ tig unbefangen, wie man in Londen bei Wett⸗ rennen tauſend Guineen verwettet— alle dieſe beruͤchtigten Beiſpiele, wovon Griechenland und Aſien eine große Menge liefert, beweiſen nur zu ſehr, daß der durch die natuͤrlichen Mittel erſchoͤpfte Menſch dieſen Mangel durch die ſtar⸗ ken Erſchuͤtterungen des blutigen Frevels zu er⸗ ſetzen ſtrebt, während er im Grunde unter dem Bilde der reizenden Goͤttin von Guidos nur


