Teil eines Werkes 
2. Bd. (1821)
Einzelbild herunterladen

223

ſich anfangs bloß in den gewoͤhnlichen Formen der Galanterie. Taͤuſchende Liebesverſicherungen, ein raſches Streben zum erwuͤnſchten Ziele, ein ſchmetterlingartiges Herumflattern unter den Ro⸗

ſen des Vergnuͤgens, das waren die Beſtand⸗

theile, woraus ſich unſer hollaͤndiſcher Faublas den lieblichen Kreis ſeiner Erholungen bildete, den er immer durch neue Eroberungen zu ver⸗ groͤßern ſtrebte. Aber alles dies wurde endlich fuͤr ſeine begierigen Sinne, die einmal eine Rich⸗ tung zu ſtarken und ſelbſt grauſamen Erſchut⸗ terungen genommen hatten, ein gemeines un⸗ ſchmackhaftes Vergnuͤgen, weil es des Reizes der Neuheit ermangelte. Er hatte uͤbrigens ſchon ſein ſechs und dreyßigſtes Jahr, und ſo⸗ mit jene Lebensſtufe erreicht, wo die Leidenſchaf⸗ ten eine entſchiedene Richtung zum Laſter neh⸗ men, wenn keine guten Grundſaͤtze uns von Hauſe aus zu einer durch Rechtſchaffenheit und Weisheit ausgezeichneten Zukunft vorberei⸗ tet haben. In dieſem Alter flattern die abge⸗ ſtumpften Sinne eines Wolluͤſtlings gewoͤhnlich in den Irrgaͤrten der Einbildungskrafr herum, um einen neuen Reiz zu finden, welchen die Natur allein nicht mehr gewaͤhrt. Anfangs ſind es nur kindiſche Ausſchweifungen, mehr ge⸗ ſchickt das Lachen des Mitleids, als den Un⸗ willen des Haſſes zu erregen; es ſcheinen Kna⸗ benſtreiche, uͤber welche man nur die Schultern zucken kann; aber verwoͤhnt durch die erſten