Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1803)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

133

Adolph ſah den ſchlanken ſchmaͤchtilgen Ritter laͤ⸗ chelnd an, ſchwang ſich in den Sattel und ge⸗

brauchte nicht einmal die Vorſicht, ſeinen Helm

anſchnallen zu laſſen, ſondern warf ihn blos auf den Kopf, des leichten Sleges ſchon im voraus verſichert.

Sie hatten Raum genommen und die Lanzen eingelegt jezt erſcholl zum zweytenmal die Trompete und ein allgemeines frohes La⸗ chen ertonte von allen Seiten. Der kleine Ritter war darch eine geſchickte und unerwartete Wendung der Lanze ſeines Gegners ausgewichen, hatte mit der ſeinigen Adolphs Helm gefaßt, trug ihn triumphirend im Kreiſe herum, und verließ die Schranken.

Die gunze Schaar der fremden Ritter folgte ihm nach; Adolph ſaß noch zu Pferde und wuß⸗ te nicht, was er aus der ſeltſamen Erſcheinung machen ſollte, als plozlich unter dem Donner der Kanonen und unter dem lauten Schall der Trom⸗ peten und Pauken der bemahlte Vorhang ver⸗ ſchwand, und ein kuͤnſtlich beleuchteter, auf weiſ⸗ ſen joniſchen Saͤulen ruhender Tempel wie hin⸗ gezaubert da ſtand im Tempel ein Altar, worauf ein Opfer brannte; am Geſimſe zwiſchen den zwey vordern Saͤulen glaͤnzten folgende Worte: Den Goͤttinnen der Eintracht und Liebe, von Adolph und Helnrich dank⸗ bar gewidmet. Jezt erhob ſich eine ſanfte Muſik von blaſenden Inſtrumenten, und