Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1803)
Entstehung
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Blicke ſchweiften aͤngſtlich von dem Fenſter zur Thuͤre, und unwillkuͤhrliche Thraͤnen rollten un⸗ aufhaltſam von den blaſſen Wangen auf den flie⸗ henden Buſen herab ich werde ihn nie wieder⸗ ſehen, ſagte ſie endlich, ich darf ihn nicht wie⸗ derſehen! Vergebung, Wilhelmine! rief Adolph jezt floſſen ihre Thraͤnen haͤufiger und eine gluͤhende Roͤthe uͤberzog ihre Wangen. Die Thuͤre gieng leiſe auf Wahlberg! rief Wilhelmine, und floh mit ausgebreiteten Armen ihm entgegen er war's! auf ſeinem Geſichte mahlte ſich zugleich, Liebe, Verachtung, Spott und Wehmuth. Ich habe nichts verloren! rief er endlich, ſtieß ſie von ſich, und verſchwand. Wilhelmine lag ohnmaͤchtig in Adolphs Ar⸗ men Eberhorſt, der, wie ein boͤſer Daͤmon, ihnen allenthalben nachſchlich, zog jezt, wie von ungefahr, uͤber den Gottesacker. Adolph wink⸗ te ihm herbei, und log in der Geſchwindigkeit eine kleine Geſchichte ihm vor, denn ob er gleich mit dem Kammerherrn vertraulicher als mit keinem andern umgleng, ſo hatte er ihn dennoch nicht in das Heiligthum ſeines Herzens blicken laſſen.

Nachdem Wilhelmine ſich etwas erhohlt hat⸗ te, bat ſie Eberhorſten, er mogte ſie in's Schloß zuruͤck führen, aber Adolph hatte ſchon ihre Hand ergriffen, und der ſchlaue Hofüng zog ſich beſchel⸗ den zuruͤck,