Teil eines Werkes 
3. Theil (1804)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

66

les Nachdenken mit Worten zu unterbrechen, nur durch Llebkoſungen ſuchte ſie ihr ihre innige Thellnahme zn beweiſen.— Endlich hub ſie wieder an:—

Ich wurde zu meinem alten Vater gebracht, wo ich meine Tante antraf; ihr Mann hatte ſich nicht anders als durch eine ſchnelle Flucht vor dem Gefaͤngniß zu retten gewußt— er war nach Holland zu einem reichen Bruders Sohn gereiſt, wohln ſie ihm nachkommen ſollte, in Foll er eine gute Aufnahme, und Verſorgung faͤnde. Jezt fiel mir die Binde von den Augen, und meine Verblendung hoͤrte gerade in dem nemlichen Augenblick auf, wo es nicht mehr in meiner Gewalt ſtand, mein Schickſal zu aͤndern. Jeder Blick in die Vergangenhelt erregte in mir Abſcheu und Reue; den täglichen Umgang mel⸗ ner Taute ſah ich als eine gerechte Strafe an, und ihre Launen ertrug ich mit der Ergebenheit einer Buͤßenden. Mein guter alter Vater bey ſeiner volligen Unkunde von der Welt und den Menſchen konnte mir keinen andern Troſt geben, als den, welchen die Religion jedem Leldenden darbietet; ein kluger, erfahrner Weltmann, der alle Probabilitaͤten einer gunſtigen Wendung mei⸗ nes Schickſals mit mir durchgegangen waͤre, wuͤrde mir anfangs weit willkommner geweſen ſeyn; daß mir aber dies leidige Palliatib⸗ Mittel nicht wurde, erkenne ich heute noch als eine be⸗ ſondere Fugung der gultigen Porſehung, die