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leiſe nach ihrer Kammer, wo ſie die Nacht in fro⸗
her wehmuͤthiger Erwartung ſchlaflos zubrachte. Gegen Morgen erſt war ſie eingeſchlummert; und als ſie die Augen aufſchloß, ſtand ihre Mut⸗ ter vor ihrem Bette, in ihrem Anſchauen ver⸗ ſunken„— So ſchlaͤft die Unſchuld, ſagte ſie innig geruͤhrt; ſeit funfzehn Jahren iſt mir dieſer Schlaf fremd geworden.— Emille ſchlug beyde Arme um ihrer Mutter Hals, und bog ſie ſauft zu ſich herab— ihre ſanften Liebkoſun⸗ gen erheiterten die Leidende allmaͤhlich,
Ich fuͤhle mich nun ſtark genug, liebe Eml⸗ lie, hub ſie endlich mit leiſer bebender Stimme
an, um dir die Geſchichte meiner fruͤheren Jah⸗
re itz theilen; moͤgen meine bittern Geſtaͤnd⸗ niſſe dir zur Lehre dienen, daß auch der Schein e Verletzung unſerer Pflichten ſchon die trau⸗ rigſten Folgen fuͤr uns haben kann; daß Selbſt⸗ vertrauen, ſobald es nicht von alleu Schla⸗ cken des Eigendünkels gereinigt iſt und auf geläuterten Grundſaͤtzen, auf dem erhebenden Gefuͤhl unſerer hohen Beſtimmung ruht, die gefaͤhrlichſte Klippe fuͤr jede welbliche Tugend iſt— doch, meine Emille! bey dir ſind ſolche Lehren uͤberfluſſig— dlch hat die Natur, und
eine treffliche Erziehung für jedem Fehltritt be⸗
wahrt. Auch iſt jene fuͤr unſer Geſchlecht ſo gefaͤhrliche Kriſis fuͤr dich voruͤber— dein Herz hat bereits gewaͤhlt, und ſelbſt die kaͤlteſte Vernunft kann deiner Wahl ihren Beyfall nicht


