Teil eines Werkes 
2. Theil (1804)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

190

liche Gehalt, und jede Unterſtutzung von Seite des Hofes fallen nun weg...

Die Graͤfin, die bei einer nicht mindern Her⸗ zensguͤte als ihr Gemahl, jedoch ungemein mehr Stolz beſaß, konnte ob ſie gleich einſah, daß Ludolph recht hatte, ſich eines kleinen Unwillens nicht enthalten. Armes Kind, ſagte ſie, indem ſie Emilien an ihr Herz druͤckte, wer ſo kalt und mathematiſch genau alles zu berechnen im Stande iſt, der kann unmoglich der Liebe einen weiten Raum in ſeinem Herzen geſtattet haben ich bedaure dich aber..

Ludolph.(durch dieſen Vorwurf beleidigt, und geruͤhrt durch Emiliens Thraͤnen) Nein, Emilie, nein, glaube nicht, daß ich dich minder liebe, wweil ich den Muth habe der pruͤfenden Vernunft

Gehoͤr zu geben!.. Eben weil ich dich liebe, weil ich das Gluͤck deines Lebens, von dem das meinige abhaͤngt, auf immer gruͤnden mogte, darf mich eine blinde Leidenſchaft nicht lenken und beſtimmen.. Gewiß, theures Maͤdchen, dieſe Ltebe iſt edler und bewaͤhrter, als wenn ich im Drange unuͤberlegter Gefuͤhle vergeſſen ionnte, daß meine Emilie einſt Mutter.. daß es meine heiligſte Pflicht ſey, ſie zur frohen, und ſo viel es dem menſchlichen Leben gegoͤnnt iſt, zur ſor⸗ genfreilen Mutter machen muß... Gnaͤdigſte Graͤfin! horen ſie mich an, und uͤberlaſſen ſie mich