Verhaͤltniſſe zu arbeiten? Welcher kalte fuͤhlloſe Menſch ſchmiedete dieſe neue Kette! als wenn das ſchwaͤchere Geſchlecht durch Natur und Kon⸗ venienz zur Abhaͤngigkeit verdammt, nicht ſchon genug dies druͤckende Verhaͤltniß fuͤhlte! meine gute ſanfte Tochter Sophie ſollte einſt ihren beſ⸗ ſern Willen den Launen ihres Bruders unterwer⸗ fen muͤſſen, und ſeine unterthaͤnige Dienerin ſeyn? „ nein, nein! nur deinem Herzen und der Pflicht ſollſt du einſt gehorchen muͤſſen!— Und er traf
ſogleich alle Maasregeln, um ſeiner Tochter
ein ſorgenfreyes unabhaͤngiges Leben zu ver⸗ ſchaffen.
Herr von Aſſen hatte den beſten Theil ſeines Lebens im Dienſte des großen Friedrichs zuge⸗ bracht; nach dem Tode ſeiner innig geliebten Gat⸗ tin zog er auf ſeine Guͤter mit ſeinen zwey Kin⸗ dern, dem Troſt ſeines Alters. Mit gleicher Liebe hieng er an ſeinem Ludwig, der des Va⸗ ters kriegeriſchen Geiſt geerbt zu haben ſchien, und an ſeiner Tochter Sophie, die in ihrer zar⸗ ten Kindheit ſchon in ihrem Buſen den Keim je⸗ ner Phllanthrople trug, die ſich allmaͤhlig, ſo herrlich, zum Wohl der leidenden Menſchheit ent⸗ faltete. Der Baron waͤhnte indeſſen ſeine Vater⸗ pflichten redlich erfullt zu haben, indem er ſelnen Kindern den Genuß eines anſehnlichen Vermd⸗ gens nach ſeinem Tode zuſicherte; ſein Erziehungs⸗ plan ſchraͤnkte ſich übrigens in der fruͤhzeitigen
Einpraͤgung jener allgemeinen Grundſaͤtze von


