Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

wie geſtern mit Sternen geſchmückt, ſondern trübe, dunſtig und ſendete einige Stunden ſpäter Ströme von Regen herab, das Elend der auf der Erde Liegenden noch vermehrend.

Die hohe Cordillera endlich, die zu andern Zeiten, von der Höhe der Cueſta de Prado aus geſehen, einen wunderbaren und großartigen Eindruck hervorbringt, glich jetzt einer dunklen, unheildrohenden Rieſenmauer. Das fernem Wetterleuchten ähnliche Leuchten ihrer Vulkane war erloſchen, und dieſes Erlöſchen konnte nicht mit Unrecht als ein Zeichen angenommen wer⸗ den, daß die ſchreckenbringende Kataſtrophe noch nicht beendet ſei.

Man fühlt hier oben, wie mir vorkommt, die Erd⸗ ſtöße weniger als unten im Flachlande, ſagte Käth⸗ chen,denn ich höre Steine in die Schluchten hinab⸗ rollen, aber kaum ſpürt man ein leiſes Erbeben der Erde.

Auf Höhen wie dieſe, erwiderte Kohlweg,wird der Unterſchied wohl nicht ſehr beträchtlich ſein, aber ich habe ſagen hören, daß man auf der hohen Cor⸗ dillera, in ziemlich bedeutender Höhe nämlich, Erdſtöße, welche unten ſchon ziemlich ſtark gefühlt werden, kaum ſpürt. Doch verweilen wir nicht länger, denn ich fürchte, dieſe Ruhe dauert nicht allzu lange.