——
205
Auch die Erſcheinung beobachteten ſie, welche man häufig bei Erdbeben trifft, daß nämlich bisweilen alle Häuſer auf einer Seite der Straße zuſammengeſtürzt waren, während die der entgegengeſetzten Seite ſtehen geblieben.
Kaum aber war in einem dieſer Häuſer noch ein Bewohner zu finden, vielleicht mit Ausnahme eines Kranken, dem die Flucht unmöglich war und den die Seinen verlaſſen hatten, da ihn fortzubringen unmög⸗ lich und mit ihm erſchlagen zu werden zwecklos war.
Wie es bei ähnlichen Vorſällen faſt immer zu gehen pflegt, ſo rannte einer der Fliehenden dem andern nach, und erſt außerhalb der Stadt ſchien die Haſt und Eile ſich einigermaßen zu mindern, und man ſchien ſich zu fragen, wohin man nun ſich wenden müſſe.
Da rief plötzlich eine Stimme:„Nach Renca!“ und ſofort wurde der Ruf von tauſend Stimmen wieder⸗ holt und ſämmtliche Flüchtlinge ſchlugen jetzt einen und denſelben Weg ein.
Auf Befragen erfuhr Kohlweg von ſeiner Beglei⸗ terin, daß Renca eine etwa eine halbe Stunde von Santiago entfernte Ortſchaft ſei, und beide beſchloſſen ebenfalls dorthin zu gehen, obgleich in der That kein Grund vorhanden war, daß dort irgendwie eine größere Sicherheit zu finden ſei.


