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Einzelne mehr oder minder heftige Erdſtöße fanden von Zeit zu Zeit ſtets noch ſtatt, und obgleich ſie dem erſten zwei und eine halbe Minute andauernden Er⸗ beben der Erde nicht gleich kamen, ſo beſchleunigte doch Jedermann ſeine Schritte, ſobald ſich eine Bewe⸗ gung des Bodens ſpüren ließ. Im Allgemeinen war jedoch mehr Ruhe unter den Geängſteten eingetreten, und Kohlweg erfuhr jetzt Näheres über und von ſeiner Begleiterin.
Lächelnd ſagte ſie ihm, daß ſie Käthchen heiße und ſich eigentlich erſt hier im Lande, von ihrem Bruder wenigſtens, ſo nennen laſſe, während ſie in Deutſchland Kathinka genannt worden ſei.
„Es iſt eine Art Heimweh“, ſetzte ſie hinzu,„welches mir hier den deutſchen Namen lieber macht, während er mir zu Hauſe nicht gut genug war.“
Kohlweg fragte nach ihrem Familiennamen, und es ſchien ihm, als zögere ſie einen Augenblick, dann aber ſagte ſie:
„Wir heißen Bitterfeld, und mein Bruder und ich ſind vor etwa einem halben Jahre von Deutſch⸗ land ausgewandert. Aber wenn es Ihnen nicht un⸗ lieb iſt, wollen wir beide uns bei unſern Taufnamen nennen.“
Er ſtimmte ihr gern bei, denn einmal ſchien ihm
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