Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Salvator. 303

Nicht wahr, Fräulein Laura, ſo ſpät ſein Antrag kommt, zu⸗ rückgewieſen darf er nicht werden?

Welche kindiſche Ideenverbindung trieb, ihrem Stolz und Verſtande zum Trotz, das Blut bis zu dunklem Karmin in Lau⸗ ra's Wangen! Sie ſollte aber bald gerechtfertigt werden.

Die Reiſe, welche die Menſchen immer näher bringt, führte hier zwei Herzen zu dauerndem Glücke. In dem ernſten Manne war ſchon lange für Laura ein Gefühl erwacht, das er Anfangs bekämpfte, weil er ſtreng dachte, ſtrenger, als die proteſtanti⸗ ſche Anſicht von der Eheſcheidung fordert, denn er konnte da⸗ durch, wie er meinte, nicht ſofort zu einer zweiten Verbindung berechtigt ſein. Als er aber mit ſich ſelbſt über die Natur ſeines Gefühls klar geworden und in Laura's Seele geleſen hatte, fand er auch in dem Unterſchied der Jahre kein Hinderniß mehr, mit ſeiner Werbung hervorzutreten. Eine Liebeständelei war ſie freilich nicht, eben ſo wenig wurde dieſe von Laura's Seite vermißt, auch führte die Verſtändigung Beider zu keiner Scene ſüßer Poeſie. Eine ehrliche, aus dem Herzen kommende Frage, eine innige Antwort, ein Handſchlag und ein Kuß befiegelten den Bund: das war Alles. Liebesgeſchichten haben wir über⸗ haupt nicht erzählen wollen.

Sich auch geiſtig zu verſtändigen, fern, wie ſich noch die Gegenſätze ihrer Grundanſchauung vom Leben und ſeinem Prin⸗ cip in Beiden ſtanden, blieb der Zukunft und dem Gefühle unausſprechlichen Glückes überlaſſen, das Laura beſeligte. Aus⸗ bleiben kann aber dies Aufgehen des Gegenſatzes nicht, dafür bürgt die Macht der Wahrheit, welcher ſich grade der Verſtand nicht auf Lebensdauer verſchließen kann. Denn er kommt nur zu bald auf Stätten, wo er nicht mehr ausreicht, und ſo wird