Salvator. 301
berg, der ſie freudig begrüßte und noch um Aufträge für ſeine Reiſe bat.—„Sie begleiten alſo wirklich meine— ich will ſagen, Frau von Arnefeld?“ fragte der Baron.
„Darf der Vater bei der Verlobung ſeiner Tochter fehlen?“ entgegnete Rheinberg.
Adelheid ſchwieg während des ganzen Geſprächs— wie⸗ derum bewegte ſie eine Frage, welche ſchon einſt an ihre Bruſt geklopft hatte. Wenn ſigmit Leo's Neigung kein Spiel getrie⸗ ben, wenn ſich ihr Herz ihm zugewandt hätte, wäre ſie noch glücklich geworden?
Es war denn wirklich die Reiſe, an deren Erfüllung Laura während der trüben Tage bei ihrer Mutter zweifelte, zur Aus⸗ führung gekommen. Die Aerzte hatten der kränkelnden Frau dringend die Luft des Südens angerathen, neue herzliche Ein⸗ ladungen der Familie von Moos und die vortheilhaftere Ge⸗ ſtaltung, welche ihre Lage gewonnen hatte, waren zuſammenge⸗ troffen, um ſie zu beſtimmen. Der Kammerherr, welcher ſie noch oft beſuchte, kam, ſich als Reiſegefährte vorzuſtellen, und zugleich die Verlobung ſeiner Tochter— ein öffentliches Ge⸗ heimniß!— nun in aller Form endlich anzuzeigen.
„Fanny wird glücklich ſein!“ Laura gewann es über ſich, das in dem Tone freudigen Antheils zu ſagen.
„Fanny?“ erwiederte der Kammerher.„Gewiß. Sie liebt ihre Schweſter ſo zärtlich. Mit Leo hatte ſie freilich immer Krieg, indeſſen war das nicht Ernſt, und wenn er erſt ihr Schwager iſt—“
„Ihr Schwager!“ rief Laura.
„Sie hätten es auch nicht geglaubt, daß Emma und er—
o ſie hatten ſich immer lieb, nur ein kleines Intermezzo ſchien


