Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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300 Salvator.

Der Winter war vergangen, eine lange ſtürmiſche Regen⸗ zeit hatte dem Frühlinge Bahn gebrochen, der nun ſeinen gan⸗ zen Reiz entfaltete. In Gegenden, wo die Natur karg mit ih⸗ ren Gaben iſt, wird dieſe Jahreszeit an jedem ſonnenhellen Tage vielleicht mit höherm Entzücken genoſſen, als in den rei⸗ cher geſegneten Ländern des Südens. Die Stadtbewohner, Monate lang eingeſperrt in ihren Steinkoloß, wo nur ſchmutzi⸗ ger Schnee in den Straßen oder triefende Dächer und Regen⸗ ſchirme ihre Augenweide geweſen, wie athmen ſie wieder auf! Aus allen Thoren wogt und ſtrömt die Menge, die Reihe der Equipagen, die Damen im Glanz der Frühlingsmoden, die Reiter es erfriſcht ſich manches Herz wieder, das ſo matt, ſo abgeſtumpft gegen Alles war, das ihm noch geboten wurde.

Adelheid war mit ihrem Gatten auch hinausgefahren. Sie hatte ſich in letzter Zeit ſehr von allen Zerſtreuungen, welche ſie ſonſt ſuchte, zurückgezogen und war von ihrer lebhaften Mut⸗ ter deshalb geſcholten worden. Dieſe erſchrak vor dem Ernſte, der zuweilen auf Adelheid's Geſicht erſchien und daſſelbe ſo alt machte! Arnefeld kannte den Grund er wußte von ihrer Correſpondenz mit dem jungen Lympius, der nun Pfarrer in Sielitz war, und er hatte ſchon Anſpielungen auf eine Bekeh⸗ rung gemacht, welche jedoch nur ein bitteres Lächeln und eine ſarkaſtiſche Antwort zur Folge gehabt. Es war ein Kanpf, welchen ſie mit Johannes Lympius führte, ein Kampf, in wel⸗ chem ſie mit ihrer Weltanſicht noch zu ſiegen hoffte, obwohl ſie ſchon mit ſich ſelbſt zerfallen war und nun ahnte, daß die un⸗ glückliche Gegenwart ihr eignes Werk, die öde Zukunft ohne Sterne für ſie ſei.

Im Thiergarten begegneten ſie dem Kammerherrn von Rhein⸗