Salvator. 299
Pfarrſtuhl von Sielitz beſteigt, dieſer Johannes Lympius! er hat ſein frommes Auge doch manchmal auch zu Deiner Schön⸗ heit erhoben, Weib des Atheiſten! wie er Dich auch ſo ſchön wieder beten gelehrt hat. Wirbt er um Dich, ſo ſei nicht ſpröde.“ Anna brach in heftige Thränen aus.
„Dir, Roland, gebe ich die Macht, Dich in Deinem Be⸗ ſitzthum zu vertheidigen. Du biſt es nicht werth, und wirſt Dich auch nicht behaupten, Du gehſt unter oder biſt vielmehr ſchon untergegangen, weil Dir das Mark fehlte. Ein tüchtiger Burſch warſt Du in Deiner Armuth, kerngeſund an Leib und Seele, — was biſt Du nun?“
Roland wollte wüthend auf ihn losſpringen, aber der Bauer hielt ihn zurück. Ruhe!“ gebot er. Noch ein Todtſchlag, nicht wahr?— Jetzt werde ich reden!“ wandte er ſich zu ſeinem Bruder. Wer hat Alles hier verrückt gemacht? Du! Mit Dei⸗ nen Heidenpredigten, mit Deinem Gelde— und nun willſt Du zum Teufel gehen, wo Du einen Schwur auf der Seele haſt?
„Du kannſt mich weder begreifen, noch wirſt Du mich zu⸗ rückhalten können!“ erwiederte Schrader mit eiſiger Kälte. „Lebt wohl! Euch und mir wird einſt ein beſſerer Morgen ta⸗ gen.“
Es war ſpät Abends. Er hatte ſeine Papiere geordnet, von dem reichen Schatze, den er in geheimer Verwahrung hielt und den auch die Behörde, weil ſie deſſen Daſein nicht wußte, unangefochten gelaſſen hatte, nahm er, ſoviel er irgend mit ſich führen konnte, und verließ bei dunkler Nacht, wie ein Dieb, die Stätte, wo er noch vor Kurzem gewähnt hatte, einen
Thron der Herrlichkeit als ein neuer Heiland zu beſteigen.


