Salvator. 287
beſtäubte Buch, es war ſein Tagebuch aus der Zeit ſeiner Ein⸗ ſegnung; er hatte darin Stellen gefunden, die er in heiligſter Hingebung an das Evangelium niedergeſchrieben hatte, und wie war er damals ſo glücklich geweſen, ehe er zu irdiſcher Kritik des Ueberirdiſchen gediehen war! Hatte er ſeitdem jenen Frie⸗ den gekannt? War er nicht auf der See der Zweifel umherge⸗ worfen worden, ein Fahrzeug ohne Compaß?— Doch er ſträubte ſich dieſem Geſtändniß, ſchalt die Anwandlung eine Schwäche, welche überwunden werden müſſe. Er hatte neue, großartige Pläne gefaßt, einen Grundbeſitz von mächtiger Aus⸗ dehnung wollte er ſich in einem fremden Lande, ungehemmt durch politiſche Beſchränkungen, erwerben, dort wollte er die Baſis eines ſocialen Muſterzuſtandes feſtſtellen, mit Einrich⸗ tungen, welche aus Glücklichen naturnothwendig dann ſittlich vollkommene Menſchen ſchaffen würden. Ihm galt dieſer Weg als der naturnothwendige, und eben an dieſem Irrthume über die menſchliche Natur mußte er ſcheitern.
Mit ſolchen Gedanken beſchäftigt, kam er wieder in Sie⸗ litz an Er liebte es nicht, geräuſchvoll aufzutreten, das Miß⸗ trauen ließ ihn auch ſeine ſtille demüthige Anne gern überra⸗ ſchen, ſie wußte nie, wann er heimkehrte. Vor dem Dorfe ſtieg er aus, es war ſpät Abends. Auf dem Schloſſe brannte in mehrern Fenſtern Licht, er wußte, daß Ro land zu Hauſe war, vielleicht gab er Zechbrüdern aus der Reſidenz, die ihn oft be⸗ ſuchten, ein Feſt. Im Pfarrhauſe ſah er den trüben Schimmer, der aus der Studirſtube des Paſtors drang, die Kirche lag mit ſchwarzen Fenſtern gegenüber, ſie war für Schrader verſchloſſen, auf ewig, er hatte ſie nicht wieder betreten, ſeit er von ſeinem Amte entbunden worden war. Tiefe Stille herrſchte in dem


