286 Salvator.
Grundübel, das eben in Ewigkeit all' dieſe wahnſinnigen Hirn⸗ geſpinnſte zu Schanden machen wird, an menſchlicher Schlech⸗ tigkeit, die ſie auf politiſchem Wege heilen wollen! Er glaubte Alles ſo conſequent eingerichtet zu haben, erſt durch wachſende Gaben viel Glückliche zu ſchaffen, aus tiefſter Noth ſie plötzlich in Fülle der Freuden zu verſetzen, um ihrer dann als ſeiner Werkzeuge ſicher zu ſein, unermüdlich hierauf zu organiſiren, was Freiheit und Wohlſtand zum Gemeingut dieſer Klaſſe, in welcher er das Heil der Zukunft für die Menſchheit ſah, machen mußte, und ſie dann auch zur Blüthe der Bildung zu führen. Nichts aber gelang ihm, wie er es gehofft: es fehlte der Se⸗ gen! Er ſagte es ſich ſelbſt mit Bitterkeit, es fehlte der Segen! Bis in ſein Haus verfolgte ihn die rohe Habgier, der ſchwär⸗ zeſte Undank. Schon hatte aber auch die Regierung Schritte gegen ihn gethan. Mit dem Verluſt ſeiner geiſtlichen Stelle war ihm ein mächtiger Einfluß auf das Volk verloren gegan⸗ gen. Noch gab er aber nicht ſeinem Syſtem, das ja ſo richtig war, die Schuld des Mißlingens, ſondern ſich ſelbſt, der es in echt deutſcher unpraktiſcher Weiſe auszuführen geſucht. Er ſtrebte danach, ſich das einzureden, aber längſt ſchon waren Zweifel in ihm erwacht und wurden manchmal zur wahren Angſt; ein alter Vers, der ihm zufällig einmal in einem beſtäubten Buche wieder zu Geſicht gekommen war, guälte ihn oft Tage lang, daß er ihn immer und immer wieder im Geiſte herſagen mußte: „Gottes Mühlen mahlen langſam, mahlen aber trefflich klein!“ Ihm war zuweilen, als fühle er das Getriebe ſchon ſeinem Herzen furchtbar nah. Er ſchalt es noch Feigheit, die ihm inne⸗ wohne, und konnte dann hohnlachen über ſich ſelbſt, aber er hatte auch Stunden, in denen er hätte weinen mögen. Jenes


