Salvator. 19
klar und heiter ſtrahlte, wie ein wolkenleerer Himmel, etwas ungemein Anziehendes. Jetzt gab ihr die Erſcheinung ihres lebhaften Neffen noch ein neues Intereſſe. Laura hatte ſonſt keine Vorliebe für eilfjährige Junker: auf dem Lande hatte ſie dieſelben meiſt blöde und bäuriſch gefunden, entweder an den Wänden ſich entlang zerrend oder tölpelhaft luſtig in die Ge⸗ ſellſchaft plumpend, durch grenzenloſe Ungezogenheit ein Aerger für Alle, nur für die Eltern nicht, in den Städten war ſie über die modern geſchniegelten und friſirten, überklugen und abgeblaßten Bengel, die über Alles ſchon mitſprachen, Alles wußten, nur ihre eigne Unausſtehlichkeit nicht, oft in Har⸗ niſch gerathen. Hier, in Hugo Moos, glaubte ſie eine ganz neue Entdeckung gemacht zu haben. Ihr war ſein Bild, wie das einer kryſtallklaren ſprudelnden Quelle im grauen einför⸗ migen Geſtein, und an dem Nachmittage, wo er mit ſeiner Tante in der Villa geweſen war, hatte ſie daran denken müſ⸗ ſen, wie ſie vor Jahren einmal nach einem recht langen, ab⸗ ſcheulichen Winter im Garten von Reſſen das erſte Veilchen gefunden und ſich faſt kindiſch darüber gefreut hatte.
Das Gut, auf welchem Hugo mit ſeinen Eltern wohnte, lag ſo nahe, daß Laura bei den Gärtnersleuten der Villa nach oberflächlichen Fragen vollkommene Auskunft über deren Fa⸗ milienverhältniſſe erhielt—„Das iſt eine Herrſchaft!“ wie⸗ derholten ſie mehrmals im Laufe ihrer Schilderungen. Dieſe waren ſo übertrieben günſtig, daß ſich in Laura ſchon dadurch der alte kritiſche Sinn regte und ſie die Luſt fühlte, die Ge⸗ prieſenen in ihrer Unübertrefflichkeit zu analyſiren. Hugo fuhr zuweilen vorbei, hatte auch das Glück, Laura zweimal zu ſe⸗ hen, und grüßte ſie mit weitgeſchwenktem Strohhut zum Schrecken
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