Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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18 Salvator.

nicht zu Stande gekommen. Je abgöttiſcher Laura in den Jah⸗ ren kindlichen Vertrauens ihre Mutter als das Ideal aller Schönheit und Vortrefflichkeit verehrt hatte, um ſo erkältender war ihre Enttäuſchung geweſen, nachdem ihr kritiſcher Ver⸗ ſtand zuerſt die äußerlichen Schwächen und Fehler, dann aber auch die innern erkannt hatte. Ihre Liebe war dadurch nicht erloſchen, im Gegentheil hing ſie vielleicht aus vielen zuſam⸗ menwirkenden Urſachen noch ſchmerzlicher an der Mutter, die ſie bemitleiden mußte, aber ſie konnte nicht mehr zärtlich gegen ſie ſein. Aufmerkſam, dienſtfertig war ſie aber ſie hatte kein inniges Wort mehr für die Mutter. Ob dieſe das ge⸗ fühlt? Wir dürfen darüber nicht zweifelhaft ſein, aber da ſich dies Benehmen nicht auf einmal, wie der neuliche Lenzfroſt, gezeigt, ſondern nach und nach entwickelt hatte, ſo war von Grad zu Grad die Mutter daran gewöhnt worden: Laura hieß ja ſchon ſeit Jahren Fräulein Verſtand, und der Vater hatte ihr das Herz abgeſprochen. Die Mutter war jetzt erſt vollkommen mit ihm einverſtanden, wie beleidigend damals auch ſein Ausdruck, daß ſie ſelbſt, im Gegenſatze zu Laura, zwei Herzen habe, für ſie geklungen. Der Frühling hatte nun in dies ruhige, kalte Selbander, das nur durch gelegent⸗ lichen Beſuch des Theaters unterbrochen worden war, einige Abwechſelung gebracht, durch Spaziergänge, welche die Mutter im Winter ſcheute, und durch einen wenn auch noch ſo ſpär⸗ lichen Umgang mit einigen Familien, deren Bekanntſchaft ſie gemacht hatten. Frau von Rothkirch, die Beſitzerin der Villa, war von ihrer Kränklichkeit erſt ſeit Kurzem ſo weit hergeſtellt, daß ſie Beſuche annehmen oder erwiedern konnte: für Laura hatte die kleine, leidende Frau, deren Auge bei all' dem ſo