16 Salvator.
erblichene Züge, wie auch das Gefühl, welches jene Worte die⸗ tirte, längſt erblichen war, wenn es überhaupt jemals wahr⸗ haft geglüht hatte.
Die zweite Gruppe, welche die Hand der Mutter geordnet hatte, lag in einer ſymmetriſchen Fächerform und machte bei der Gleichmäßigkeit der zierlich geſchriebenen Zeilen, welche in allen hier halb ausgebreiteten Blättern dieſelbe Größe der Buchſtaben und Zwiſchenräume bot, einen wohlthuenden Ein⸗ druck. Laura kannte die Handſchrift nicht, es mochten etwa ſechs oder ſieben Briefe ſein, genau alle von gleichem Format mit Goldſchnitt. Auf dem oberſten lag, von der Mutter bei Laura's Eintritt zufällig hingeworfen, ein leeres Couvert— nur wenig Worte konnte Laura's ſcharfes Auge leſen, ſie lau⸗ teten in abgebrochenen, durch die Ecke des Couverts theilweis verdeckten Zeilen: Feſſeln des Wahnes, in welche— hunderte geſchlagen worden ſind, dieſe— Verzögerungen ſchafft, ſondern ſanft und unmerklich zu löſen— ſein wird, dann: Salve Salvator!“
Sie erblaßte. Ihre Mutter hatte dieſen Wechſel ihrer Farbe, wie er bei Laura durch tiefere, ihr Herz treffende Re⸗ gungen plötzlich erzeugt wurde, nicht bemerkt, ſie war beſchäf⸗ tigt, die Briefe zuſammen zu raffen und in zwei Hüllen zu wickeln, welche ſie zu dieſem Zwecke zurecht gelegt hatte, Hül⸗ len von Seidenpapier, die eine lichtblau, die andere lichtgrün. Der Brief, welcher Laura durch die einzelnen Worte, die ſie geleſen, aus Gründen, welche wir kennen, ſo erſchreckt hatte, wurde mit ſeinen Gefährten in die lichtgrüne Hülle gelegt, alſo in Hoffnung! Ihres Vaters aus glücklichen Zeiten ſtammende Briefe fanden Lichtblau. Das tändelnde Spiel


