Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Salvator. 13

wollen: Alles, was uns aufgelegt oder angelernt worden iſt, um uns davon zu entfernen, müſſen wir abſtreifen, wie der ſchöne Schmetterling ſeine Larvenhülle durchbricht, um frei in Duft und Aether zu leben.

Laura blickte ihre Mutter an, ſie hatte dieſe Worte ſchon aus einem andern Munde gehört.O, das allgemein Menſchliche! fuhr die Arnefeld fort.Hierzu mitzuwirken iſt vor Allem der Frauen ſchöne Beſtimmung, dem Gefühle ſeine Rechte, die verlornen, wiederzuſchaffen, die Feſſeln des Wah⸗ nes, in welche die natürlichſten Regungen des Gefühls durch lange Jahrhunderte geſchlagen worden ſind, dieſe Feſſeln nicht zu brechen, denn alle Gewalt verletzt und ruft Widerſtand hervor, welcher neue Verzögerungen ſchafft ſondern ſanft und unmerklich zu löſen, iſt der Frauen Aufgabe. Wenn ſie erfüllt ſein wird, dann: Salve Salvator!

Mit ihren hellen, klugen Augen hatte die alte Dame zu der ſchwärmeriſch bewegten Frau aufgeſchaut, deren Wangen unter der Schminke ſichtbar glühten, während ſie ein thränenfeuchtes Auge nach Oben hob. Ein leiſes Lächeln, gutmüthig und mitleidig zugleich, dämmerte bei dem Bilde des Schmetterlings um ihre Lippen auf, als aber die Rede weiter floß, verſchwand es und bei den letzten, in einem fremdartigen Tone geſproche nen Worten zeigte ſich auf dem Antlitz der Zuhörerin ein tiefer Ernſt. Sie erwiederte kein Wort. Auch Laura ſchwieg.

Hugo, welcher ſich unterdeſſen im Zimmer mit den ſchönen Kupferſtichen an den Wänden beſchäftigt hatte, gab dem Ge⸗ ſpräche eine leichtere Wendung. Er plauderte eine Weile faſt unvernommen von Laura, welche ſich dann aber gewaltſam

von ihren Gedanken losriß, um ſich dem Knaben ganz zu