5
12 Salvator.
böſes Beiſpiel und die Leichtigkeit, zu Errungenſchaften zu kommen, ſie nicht verführte?“ fragte Laura, welche ſich lebhaft für die Sache intereſſirte.
„Armuth— o ja! Und ſchlechte Menſchen, wo gäbe es deren nicht? Aber eigentliche Nothleidende, die nicht ihr Leben zu friſten wiſſen, wie drinnen“— ſie zeigte nach der Stadt—„und ſolche Verworfenheit, wie ſie ſchauderhaft von den Eltern dort auf die Kinder vererbt und von Geſchlecht zu Geſchlecht ſchlimmer wird, dieſe kennt man bei uns, Gott ſei Dank! noch nicht, und der Himmel gebe Kraft, daß es nie da⸗ hin komme! Die Leute haben im Ganzen wenig Bedürfniſſe und ſind daher nach ihrer Art wohlhabend, rüſtige Arme finden Beſchäftigung in den Wirthſchaften der reichern Bauern und auf den herrſchaftlichen Feldern, und wo im Allgemeinen Got— tesfurcht und Rechtſchaffenheit unter den Menſchen waltet, da kommen die einzelnen Schlechten nicht auf.“
„Sagen Sie das nicht!“ ſagte Frau von Arnefeld ſeuf⸗ zend. Wir haben das anders erlebt. Die Zahl der Uebel⸗ geſinnten war ſehrklein, wie ſich endlich gezeigt hat, dennoch—“
„Ja, dieſe Zahl war klein,“ erwiederte die alte Dame ſanft,„aber noch viel kleiner die Zahl der wahrhaft Gutge⸗ ſinnten, und zum Entſetzen groß die Menge der Schwanken⸗ den. Denn eine wahrhaft gute Geſinnung verlangt auch Thaten und dieſe fehlen eben— ich ſpreche aber nicht von der Politik allein, die Politik beſchäftigt mich nicht, ich habe es nur mit dem allgemein Menſchlichen zu thun.“
„Das allgemein Menſchliche!“ rief Frau von Arnefeld er⸗ griffen.„O wie verſtehen wir uns, meine edle Freundin! Ja, zu dieſem müſſen wir zurückkehren, wenn wir geneſen


