8 Salvator.
erwartete, es war aber die Richtung nach ihrer Heimath. Die Mutter hatte vor einigen Tagen die Idee hingeworfen, nach Berlin zu gehen, wenn ſie gewiß ſein könnte, Ihm dort nicht zu begegnen. Dieſe Gewißheit konnte ihr freilich nur werden, wenn ſie eine directe Frage dahin richtete, ob Arne⸗ feld in Berlin geblieben ſei. Wohl hatte ſie Bekannte, aber es widerſtrebte ihr, gegen dieſe ein Verhältniß zu erwähnen, wel⸗ ches für ſie ſelbſt tödtlich verletzend geworden war. Sie wußte nicht einmal, ob er die Frau, um welche er ſeiner rechtmäßi⸗ gen Gattin zweimal untreu geworden, nun auch geheirathet hatte, doch zweifelte ſie nicht daran, und es war ihr noch eine Art von Beruhigung. Wenn ſie nicht in die Scheidung ge⸗ willigt, wenn ſie alle Vortheile benutzt hätte, welche das Ge⸗ ſetz ihr bot, ſie würde wahrſcheinlich niemals von ihm getrennt worden ſein, aber einen Widerſtrebenden gewaltſam an ſich feſ⸗ ſeln? Den Mann, welcher trotz der aufrichtigen Reue, die er einſt über die Verirrung eines phantaſtiſchen Spiels mit der gefährlichen Leidenſchaft bezeigt, jetzt in ältern Jahren bei dem bloßen Wiederauftauchen des verführeriſchen Weibes ſeiner Gattin auf eine ſo entſetzlich rapide Art abtrünnig werden konnte, ihn ſollte ſie in einem ihm verhaßten Ehebande hal⸗ ten, mit ihm noch ferner leben? Niemals! Sie hatte einge⸗ willigt im vollen Eifer ihres beleidigten Gefühls, ſobald ſie durch ihren Sohn, welcher am Morgen der verhängnißvollen Teſtamentseröffnung mit ſeinem Vater eine Rückſprache genom⸗ men hatte, furchtbar für beide Theile, ſie hatte eingewilligt, ſobald ſie auch durch ihren Freund— den Vertrauten ihrer Seele!— wußte, welches der Grund war, der ihren Gatten eigentlich zu dem ſie vernichtenden Schreiben bewogen hatte;


