Salvator. 7
ſich ſelbſt, disponiren, lebte noch immer dürftig und beſcheiden in dem Hauſe ſeines Bruders, von irgend einer auffallenden Maßregel im Sinne des Teſtators war noch nichts bemerkt worden, Schrader verſah ſein Amt mit großem Eifer, wie die Nachbarn verſicherten— das Einzige: er hatte geheirathet.
„Und wen?“ ſchrieb der Bruder.„Ihr rathet es nicht? Was! Hab' ich müſſen den Ritter ſpielen gegen gewiſſe feu⸗ dale Reminiſcenzen, hab' ich ſündigen müſſen gegen das vierte Gebot, hat Dein armer Orlando Furioſo ſeine eigene Schwe⸗ ſter angeſchoſſen wie ein Reh, blos um ſie dem langhaarigen Erbkünſtler in die Küche zu liefern? Wie Beide ſich geſucht und gefunden, weiß ich nicht— ich habe ſie nicht entführt— für andere Perſonalien kann ich nicht ſtehen; ob der angehende Paſtor ſie als Büßende aufgenommen oder was ſonſt ſie zu⸗ ſammen gebracht, ich habe es nicht erfahren können, genug, ſie iſt glänzend rehabilitirt, einer Iphigenia gleich, die auch mit Mord von ihren nächſten Verwandten bedroht war, iſt ſie eine Zeitlang menſchlichen Augen entrückt geweſen, um deſto glorreicher wieder zu erſcheinen. Vive la merveille! Sie iſt Frau Schrader und— wunderſchön!“
In dieſem frivol witzelnden Tone, welchen Rudolf früher einmal für Regimentsſtyl erklärt hatte, war der ganze Brief, wie all' ſeine Vorgänger, gehalten: Laura hatte es nicht ver⸗ mocht, ihn davon abzubringen. Als Nachſchrift folgte noch eine kurze Notiz, welche der Mutter einen lauten Schreckensruf ent⸗ riſſen hatte. Die alte Schramm ſitzt im Tollhauſe!“
Bis zu dieſer traurigen und ohne weitere Erklärung gege⸗ benen Nachricht hatte Laura geleſen und blickte nun wieder in der nördlichen Richtung hinaus, nicht daß ſie Jemand von dort


