Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Salvator. 305

verließ unwillig das Haus, er nahm aber wenigſtens für ſich den Troſt mit, daß nicht der Tod das Band gelöſt habe, wel⸗ ches die Frau, die er eben geſprochen, mit ſeinem Sohne ver⸗ bunden hatte. Er ging, um ſeinen jungen Freund außzuſuchen und auch ihm den Troſt zu bringen, daß ihm durch Adelheid's Verluſt ſchmerzliche Enttäuſchungen erſpart ſeien. Verloren war ſie ihm.

Artefeld fand die beiden Frauen in einer Stimmung, daß ſein Erſcheinen ihnen das freudigſte Glück war. Frau von Mörner ging haſtig und nervös aufgeregt im Zimmer hin und wieder, fing dies und jenes Geſchäft an und ließ es wieder liegen, gab aber dabei ihrem Verdruſſe über die demüthige Rolle, welche ſie Beide eben geſpielt hatten, die heftigſten Worte. Adelheid lag auf dem Sopha, hatte die Stirn mit der einen Hand bedeckt, während die andere unbewußt die verbli⸗ chenen Quaſten der Seitenrollen zerzupfte, ſie ſprach keine Silbe, ſie blickte nicht auf, aber ihr Buſen ſtürmte und von Zeit zu Zeit zuckte es wie ein Krampf durch ihre Glieder. Hatte das ehrliche und einfache Wort des Vaters ſie hatte ihn einſt und wie aufrichtig! ſo genannt den Nerv ihres Da⸗ ſeins getroffen? O nur ein Paar Stunden noch der heilſa⸗ men Einſamkeit! Doch es ſollte nicht ſein: Arnefeld klopfte an die Thüre, und wie ſeine hohe, ſchöne Geſtalt auf der Schwelle erſchien, ſprang Adelheid auf und eilte in ſeine aus⸗ gebreiteten Arme, als ſuche ſie dort ein Aſyl.

Er drückte ſie ſtürmiſch an ſein Herz, ihre dunkeln Locken ſtrich er zurück und küßte ihre Stirn: die Mutter blickte mit Entzücken auf das Paar, das in jeder Beziehung für einander geſchaffen ſchien. Salvator. I. 20