Salvator. 303
Die zehrende Unruhe, in welche ſie deshalb gerieth, diente über Nacht dazu, ihren Zuſtand noch zu verſchlimmern.
Rudolf Arnefeld kam, von Allem, was er gehört hatte, in Zorn und Zweifeln ringend, nach ſeiner Wohnung. Brennende Luſt trieb ihn, noch heut zu irgend einem Reſultate zu kom⸗ men, aber er war jetzt nicht einig mit ſich ſelbſt, was er thun ſollte. Wild und fröhlich, wie er bisher durch das Leben ge⸗ ſchwärmt, war er nie lange unſchlüſſig geweſen, wenn es irgend einen Entſchluß galt— die gute Reitermaxime: raſch zur That, lieber einen Fehler, als ſchwaches Zaudern, hatte ihn auch außer dem Dienſte geleitet. Nun war aber der Ernſt einer drohenden Situation unvorbereitet über ihn gekommen, eine große Verantwortung hatte ſich auf ſeine Schultern gelegt— und er fühlte inſtinctmäßig, daß es hier Beſonnenheit galt. So blieb er zu Hauſe für dieſen Abend und ſchloß ſich ein, um ungeſtört mit ſich Rath zu pflegen, eine ſehr neue Lage für den ungeſtümen Charakter, der jedoch ſchon in ſeiner Entwickelung eine Stufe weiter gekommen war.
Unterdeſſen war das Loos aber ſchon geworfen. Als Ba⸗ ron Arnefeld, welcher den Tag über viel Geſchäfte beſorgt hatte, mit Ungeduld dahin eilte, wo für ihn jetzt allein noch Leben war und er den Quell ewiger Jugend zu trinken wähnte, fand er im Hausflur einen finſterblickenden Mann, der eben die Treppe herabgeſtiegen war und bei Arnefeld's Anblic ſtill ſtand. Dieſer erkannte zu ſeinem großen Mißbehagen den Oberſten von Haug. Beide grüßten ſich ernſthaft.
„Meine Anweſenheit hier wird Ihnen nicht unbegreiflich
ſein?“ fragte Haug.


