298 Salvator.
gen. Es kann ſein, daß ich mich mit der politiſchen Agentur jetzt irre, obſchon wir genug demokratiſche Paſtoren haben. Dieſer jedoch ſoll ſehr fromm predigen. Wie heißen Sie?— Ich danke Ihnen, Herr Neumann, nehmen Sie hier eine Kleinigkeit für Ihre Mühe.“ Er reichte ihm ein Viergroſchen⸗ ſtück, was der Schutzmann jedoch zurücktretend, etwas beleidigt, ablehnte.
Gleich nach ſeiner Entfernung warf ſich der junge Officier in eine Droſchke und fuhr nach jener abgelegenen Stadtgegend. „Warten!“ befahl er dem Kutſcher, als er aus dem Wagen ſprang.
Er trat in das Haus, und ohne Weiteres in die Stube des Erdgeſchoſſes, die er ſich hatte bezeichnen laſſen. Ein übler Dunſt von Betten und alten Kleidern, eine häßliche Gruppe von Menſchen, groß und klein, viel bettelhaftes Ge⸗ rümpel fiel ihm beim Eintritt auf, ſeine Erſcheinung erregte einen Aufruhr, die Kinder ſchrieen, ein kleiner ſchmutziger
Hund bellte ihn an, nur ein altes Weib ſtand auf, ihn nach ſeinem Begehr zu fragen.
„Wohnt hier—“ begann er, aber mit einem lauten Aus⸗ ruf des Staunens unterbrach er ſich, als er das vor Schreck erblaßte Geſicht eines jungen Mädchens erblickte, das ſich vor ihm verbarg.
„Mädchen!“ rief er. Dich find' ich hier?“
„Na und wenn ſie hier iſt, was geht Sie's an?“ verſetzte das alte Weib.„Wer ſind Sie denn— was wollen Sie hier bei ehrlichen Leuten? Viſitation halten— o Sie ſind kein Poliziſt nicht, das wiſſen wir auch. Wenn Sie weiter nichts wollen, als nach das arme Kind fragen, nanu iſt es gut, da


