Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Salvator. 295

begegnet, das durch Lieblichkeit und Demuth ihn anſpricht, und wenn er ſtark genug iſt, der Meinung der Welt gegen⸗ über, dies Kind der Riedrigkeit erwählt und ihr Herz und ihren Geiſt empor zieht zu den Höhen der Bildung, auf denen er ſelbſt ſteht. Aber die Liebe eines Mädchens aus höherm Stande, eines Mädchens von feinem Gefühl und wahrer Bil⸗ dung zu einem Burſchen aus niederer Klaſſe, mag er noch ſo ſchön und redlich ſein, aber ſonſt nach Sitte und Geiſt auf der Stufe all' ſeiner Genoſſen ſtehend: eine ſolche Liebe iſt un⸗ natürlich und gehört in das Fabelgebiet ſocialiſtiſcher Träume. Die Rohheit, ſelbſt nur die äußere, muß abſtoßend auf ein feinfühlendes Herz wirken und hinaufziehen zu ſich, wohl gar erziehen einen bäuriſchen Jüngling, veredeln ſeine Sitten und geiſtigen Anlagen, ſolche Aufgabe kann ſich doch wohl ein Mädchen nicht ſtellen! Sie lächeln, meine Leſerinnen? O es wird Ihnen mehr zugemuthet in der radicalen Heilung unſerer ſocialen Frage: Sie ſollen nicht hinaufziehen, ſondern herab⸗

ſteigen bis auf eine mäßige Stufe der Bildung, welche Allen

erreichbar iſt! Dann Gleichheit in allen Erdendingen und

brüderlich⸗ſchweſterliche Gemeinſchaft, hundert Jahre ſo, und

ſelbſt die noch auszurottende Ungleichheit der äußern Körper⸗

bildung wird verſchwinden, es giebt nur Weſen von einem ge⸗

wiſſen Mittelſchlage, mit Durchſchnittsgeſichtern, die nicht mehr

zu unterſcheiden ſind, kein Brünett oder Blond hinführo, ſon⸗

dern eine unbeſtimmte Miſchfarbe, Namen braucht man nicht

mehr, denn Keiner iſt oder hat etwas Beſonderes! Dahin

ſoll es aber erſt kommen und wir warten wohl noch ein

wenig damit?

Laura Arnefeld war alſo weit entfernt, das natürliche Ge⸗