Salvator. 293
fürbte ſich, als er am Fenſter die Geneſende erblickte. Sie hatte, planlos und traurig, wie ſie auf das öde, winterliche Feld ſchaute, den Kommenden nicht gleich bemerkt, als er aber dicht vor ihr draußen ſtand, hörte er ihren lauten Schrei durch die Scheiben. Nur kurze Zeit noch Geduld— dann kam er wieder, ſie aus der Stätte des Kummers in lichte Freude ein⸗ zuführen! Mit dieſen Gedanken betrat er das Haus.
Gefolgt war ihm nun freilich ein Mann, welchen er, mit ſich ſelbſt beſchäftigt, nicht beachtet hatte. Dieſer ging, nach⸗ dem der Angekommene in das Haus getreten war, langſam an dem Hauſe vorüber, warf einen Blick durch das niedrige Fenſter, kehrte auf eine kleine Entfernung wieder um und ſetzte dieſen Spaziergang noch eine Weile auf und ab fort. Endlich ſchien ihn das Warten doch zu ermüden, denn er brach plötzlich auf und entfernte ſich mit raſchen Schritten.
Der Lieutenant von Arnefeld— wir haben es gehört— war auch nach Berlin gekommen; die Hülfsquellen, ſeit der Vater ſeine Hand von ihm abgezogen hatte, ſprangen zwar ſpärlich, denn die Mama hatte ſich, wie ſie nun bereute, längſt aller Dispoſition über größere Summen begeben, aber ſo viel blieb ihm, unterſtützt von wohlgeſinnten Wucherern, die nicht einmal ſein ſchriftliches Ehrenwort, ſondern nur vierzig Pro⸗ cent verlangten, immer noch, um in Berlin gelegentlich mit der Cultur fortzuſchreiten. Diesmal kam er, durch einen Brief ſeiner' Schweſter veranlaßt. Laura hatte endlich doch das Bedürfniß gefühlt, den Gram, der ſich nun bis zum Uner⸗ träglichen geſteigert hatte, dem einzigen Herzen mitzutheilen,
auf das ſie noch rechnen konnte— ſo ſtark ſich das ihrige bis⸗
her bewährt hatte, nun war die Kraft gebrochen, ſie fühlte ſich


