Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

288 Salvator.

nen. Die rechtſchaffenen Leute, die ſich zuſammengethan haben, um auf dem einzigen Wege, wo noch eine Rettung möglich iſt, vorzuſchreiten, fangen es auch beim richtigen Ende an, daß ſie Barmherzigkeit für das leibliche Elend vorausgehen laſſen, um das geiſtige Elend deſto ſicheret zu heilen.

Sie ſprechen von der innern Miſſion? fragte Lev.

Ja wohl. Ich ſitze hier nur ſo auf einem veplornen Po⸗ ſten, und da ich einmal nicht in die feine Welt paſſe, ſo kann ich beim beſten Willen nicht in dem zweiten und faſt noch wichtigern Theile ihrer Aufgabe mithelfen, der eben auf die höhern Stände gerichtet iſt. Da fehlt nun das leibliche Elend, und wo es dem Menſchen wohl geht, vergißt er, wem er das zu danken hat es iſt aber vom allergrößten Einfluß, was

die Hochſtehenden, zu denen die Kleinen hinaufſchauen, für ein Beiſpiel geben, und wenn die ſich der Religion ſchämen und ſagen: Das gemeine Volk muß ſie haben, wir aber brauchen ſie nicht! ſo iſt keine Möglichkeit, das rollende Rad des allge⸗ meinen Verderbens aufzuhalten. Schwer iſt es freilich, den höhern Ständen ihr Elend begreiflich zu machen da die Einzelnen, die es hier einmalpackt er zeigte auf die Bruſt ſich mit ihrer Zerknirſchung, wie die geſellſchaftliche Einrichtung iſt, nicht zeigen dürfen, ſondern, um das glatte Leben nicht zu ſtören, gleich beſeitigt werden. Darüber könnte man auch Bü⸗ cher ſchreiben, mein junger Freund, aber die offene Wahrheit leſen ſie nicht, und die candirte ſchlägt nicht durch. Ich glaube, daß es darin auch ſchon beſſer wird, verſetzte Leo.Grade die Kirchen der ſtrenggläubigen Prediger ſind von den höhern Ständen ſehr viel beſucht.

Davon habe ich gehört. Aber unterſuchen wollen wir nicht,