Salvator. 287
„Ich bin kein Schriftgelehrter, aber ſo viel habe ich aus zwei Reden, denen ich von ihm beiwohnte, herausgehört, und was mir Leute hier aus dem Dorfe erzählen, die ihn eifrig alle Sonntage beſuchen, daß er Einer von denen iſt, über welche die Apoſtel ſchon geſprochen: Durch ſüße Worte und prächtige Reden verführen ſie die unſchuldigen Herzen— und: Die da haben den Schein eines gottſeligen Weſens, aber ſeine Kraft verläugnen ſie.— Wo mir Einer drum herum geht, von ſei⸗ nem Herrn und Erlöſer zu reden, und nur allerhand ſchöne Re⸗ densarten über unſer alltägliches Leben und die Natur macht, da weiß ich ſchon, daß im Nußkern die Made ſitzt, verzeihen Sie mir den Ausdruck. Nun braucht nur noch zu dem Herrn Prediger, der nichts von Chriſtus weiß, ein Herr Schul⸗ meiſter zu kommen, der den Kindern auch nichts von ihm ſagt, als daß er ein göttlicher Weiſer geweſen— ſo heißt ja wohl der moderne Titel, der ihn mit Heiden und Türken in einen Sack wirft? Gott verzeih' mir die Sünde!— und zu Hauſe gottloſe Eltern, dann ſind wir fertig! Einen ſolchen Schulmeiſter zum Adjutanten ſoll ſich der künftige Herr Pfar⸗ rer ſchon zugelegt haben.“
Leo hatte ſich nicht lange in Rackwitz aufhalten können und nahm ſchon Abſchied, als der Oberſt ihm noch viel von ſeinen weitern Verſuchen erzählte, auch materielle Hülfe für die noth⸗ leidenden Klaſſen zu ſchaffen, denen er nun einmal ſein einſa⸗ mes Leben geweiht hatte.„Es heißt mein Spruch zwar: Bete und arbeite! aber wo es ſo zum Verhungern und Verzweifeln geht, wie ich's neulich erſt wieder in einem Winkel geſehen habe, da muß man erſt einen Biſſen Brod ſchaffen, daß ihnen der
Krampf ſich löſet, vor dem ſie nicht zum Beten kommen kön⸗ *


