Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

286 Salvator.

freier Menſchen hinter ſich denn er gedachte das Glück nicht auf ſeine Gemeinde zu beſchränken, wenn er auch klug und ſchonend die Rechte ſeiner Amtsbrüder ehren mußte o dann durfte er immerhin ſein genialſtes Werk: Salvator ge⸗ nannt, auf welches er einen Cyclus von Reden zu bauen ge⸗ dachte, in offenen Conceptblättern liegen laſſen! Hätte er es jetzt gethan, er wäre vielleicht noch dicht am Hafen geſcheitert denn einen Feind hatte er, deſſen war er gewiß, einen Feind, nicht ſeiner Perſon, wohl aber ſeines Wirkens, wie weltklug er es auch anzuſtellen wußte, daß er für einen echt⸗ chriſtlichen Verkündiger des göttlichen Wortes gehalten wurde. Und wenn dieſer Feind durch irgend einen Zufall Waffen gegen ihn in die Hand bekam, ſo durfte er darauf rechnen, daß er ſie gebrauchen würde, da er ſchon verſucht, den alten Pfarrer, wiewohl vergebens, an der Rechtgläubigkeit ſeines Nachfolgers irre zu machen. Es war der Oberſt von Haug.

Seit lange hatte er übrigens in der Gegend nichts von ſich hören laſſen. Da er nicht in die Kirche kam, keinen geſelligen Umgang pflegte und nicht einmal wieder bei Rheinbergs ge⸗ weſen war, ſo wußte Niemand, ob er in Rackwitz anweſend, vielleicht krank ſei, weil man ſo gar nichts von ihm vernahm, oder ob er vielleicht eine Reiſe unternommen habe. Erſt Leo Rheinberg, welcher ſich bei ſeiner kurzen Anweſenheit nach ihm erkundigte, war bei ihm geweſen und hatte ihn abgeſchloſſen von aller Welt, aber ganz rüſtig gefunden davon wußte der Adjunct Schrader jedoch nichts. Ihm würde ganz eigen zu Muth geworden ſein, wenn er die Ausdrücke gehört hätte, in

welchen der Oberſt zu dem jungen Rheinberg über ihn ge⸗ ſprochen.