Salvator.
mutter ſauer blickend. Doch wies ſie das Erbieten Annen's, noch hin zu laufen, zurück, holte aus ihrer Reiſetaſche einen kleinen Spiegel hervor und ordnete zum zweiten Male ihren Kopfputz: Anna hatte ihre ſtille Verwunderung, daß ſie eine kleine Bürſte zu ihrem Haar gebrauchte, und nicht wie andere vernünftige Menſchen einen Kamm. Dafür lagen aber auch die beiden Streifen ihres grauen Haares wohlgeſcheitelt und ſpiegelblank über der Stirne und den noch immer ſchwarzen, feingezogenen Augenbrauen. Die Zeit zur Ueberfahrt war nun gekommen.
Mitten auf dem See gab es eine Stelle, wo man die bei⸗ den Dörfer, welche ſich an entgegengeſetzten Ufern angebaut hatten, mit ihren Herrenſitzen völlig überſchauen konnte, was ſonſt durch die reichen Laubmaſſen, von welchen die letztern umgeben waren, verhindert wurde.
„Fahre hier langſam!“ ſagte die Großmutter zu ihrem Enkel.„Halte lieber eine Seitenrichtung— ich muß mir das anſehen.“— Karl gehorchte ſtumm und dachte daran, wie geſtern auf derſelben Stelle das Landſchaftsbild bewundert worden war, und wie er dann Jemand zu Gefallen gekreust hatte, um recht lange die ſchöne Ausſicht feſthalten zu können.
Auf dem Ufer, von wo ſie kamen, lag in reizend grüner, aber flacher Umgebung, etwas abgebaut von den Häuſern des Dorfes und ſeinen Fiſcherhütten, ein graues Schloß, überragt von einem ſpitzen, mit Schiefer gedeckten Thurme: es war der Sitz eines alten Geſchlechts, welchem ein ziemlich bedeutender Grundbeſitz in der Gegend gehörte, ſeinen Namen haben wir ſchon aus dem Munde der jungen, auf ihrer Seefahrt geſtern verunglückten Dame vernommen: Rheinberg. Das entgegen⸗


