Salvator. 43
Mutter als Milchkind gepflegt worden, und daß ſie noch jetzt bei ſeinem Vater, dem alten Landſtallmeiſter, diene. Er hatte ſich aber Frau von Arnefeld auf der Fahrt über den See zu wenig angeſchaut, um der Großmutter von ihrem Ausſehen Rechenſchaft geben zu können! Nur daß ſie recht rothe Backen gehabt, erinnerte er ſich. Die Großmutter nahm lächelnd eine Priſe und ſagte:„Ja, ja! Das kenne ich. Roth legte ſie von jeher auf.“ Eine Redensart, welche die ganze Familie nicht verſtand.
Es war überhaupt keine rechte Harmonie in dem Zuſam⸗ menſein dieſer alten, ſtädtiſch gekleideten, ſtädtiſch ſprechenden Frau mit der Schifferwittwe und ihren Kindern, ſie ſelbſt hatte für ihre Tochter, nachdem das Gefühl beim erſten Wiederſehen beſchwichtigt war, keineswegs einen liebreichen Ton, ſondern tadelte hier und dort, fand aber auch Entgegnungen, welche ihr keineswegs gefielen.
„Ich will morgen nach Reſſen,“ ſagte ſie beim Schlafen⸗ gehen.„Du kannſt mich hinüberfahren, Karl.“
Der junge Schiffer, ſehr damit einverſtanden, war ſchon bei frühem Morgen am Ufer, hatte ſeinen Kahn reinlich aus⸗ gefegt, den Sitz für die Großmutter mit einer Decke belegt und ſtand nun, halb von dem hohen Röhricht verdeckt, das Auge nach den Waldbäumen und Terraſſen ſchweifend, von denen er durch eine glatte Waſſerfläche halbſtündiger Fahrt ge⸗ trennt war. Was dachte, was träumte der junge Menſch? Wiegte er ſich in unklaren Hoffnungen, deren Verwirklichung er aus einer Mährchenwelt möglich hielt? Wir glauben, daß er weit davon entfernt war. Er dachte wohl an das ſchöne Fräulein, das er geſtern nicht zum erſten Male geſehen hatte,


